von links:  Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, Dipl.-Ing. Dr. Paul Mayrhofer, Landeshauptmann a.d. Dr. Josef Krainer , Univ.-Prof. Dr. Gerhard Holzapfel, Mag. Dr. Christian  Pippan, Barbara Frischmuth, Mag. Dr. Astrid Veronig, LH Waltraud Klasnic, Mag. Dr. Elke Jantscher und Thomas Muster. Foto Fischer, Abdruck bei Quellenangabe honorarfrei.

Internationaler Josef- Krainer-Preis
Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman HERZOG

Großer Josef-Krainer-Preis
Univ.-Prof. Dr. Hermann BALTL
Barbara FRISCHMUTH
Thomas MUSTER

Josef-Krainer-Würdigungspreis
ao. Univ.-Prof. Dr. Gerhard A. HOLZAPFEL

Josef-Krainer-Förderungspreis
Mag. Dr. Elke JANTSCHER
Dr. Paul MAYRHOFER
Mag. Dr. Christian PIPPAN
Mag. Dr. Astrid VERONIG

Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman HERZOG

Bedeutende Steirer, die sich in der Literatur, dem Sport und der Wissenschaft einen Namen gemacht hatten, erhielten heute im Weißen Saal der Grazer Burg die „Josef-Krainer-Preise 2003“ von Landeshauptmann Waltraud Klasnic, ihrem Vorgänger Dr. Josef Krainer und Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, dem Obmann des Josef Krainer Gedächtniswerkes. Mit dem Großen Josef Krainer Preis wurden die aus Altaussee stammende Schriftstellerin Barbara Frischmuth und der ehemalige Tennis-Star Thomas Muster ausgezeichnet. Der Leibnitzer hatte bekanntlich 1995 als einziger Österreicher bisher ein Grand Slam-Tennisturnier gewonnen, die French Open-Meisterschaften in Paris und war ein Jahr später auch der einzige Landsmann, der die Tennis-Weltrangliste einige Wochen lang angeführt hatte.

Träger des Josef Krainer-Würdigungspreises ist der Grazer Techniker Univ.-Prof. Dr. Gerhard Holzapfel, der eine Methode zur Beseitigung verengter Blutgefäße entwickelt. Die Ballon-Angioplastie sollte Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten zugute kommen.
Aber auch vier Forscher, die heuer die Josef Krainer-Förderungspreise erhielten, werden in der Steiermark „ihren Weg machen“, betonte Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer in Anspielung auf den Welt-Hit „My way“, komponiert von Paul Anka, interpretiert unter anderem von Frank Sinatra und heute vom Grazer Saxophonquartett  zur Eröffnung der  Josef Krainer-Preis-Verleihung  2003.
Barbara Frischmuth lobte in ihren Dankensworten die Beständigkeit und Verlässlichkeit der Steiermark. Damit erinnerte sie, so LH Klasnic, an das Lebenswerk von Landeshauptmann Ökonomierat Josef Krainer, zu dessen Gedenken die Preise vergeben werden. Nicht unwidersprochen lies LH Klasnic auch die Dankesworte Thomas Musters, der sich als „jüngster und einziger Pensionist“ aller Geehrten „outete“. Seinen Ehrgeiz könnte die Steiermark künftig als Werbeträger nützen.
Als Ehrengäste begrüßte Univ.-Prof. DDr. Schöpfer unter anderem LH Klasnics Amtsvorgänger Dr. Josef Krainer mit Familie sowie Herwig Hösele und Reinhold Purr, die Präsidenten des Bundesrates und des Steiermärkischen Landtages.

Josef Krainer – Preise 2003

Großer Josef Krainer-Preis

Barbara FRISCHMUTH wurde am 5. Juli 1941in Altaussee geboren. Ihr Vater war Hotelier und fiel im Dezember 1943 in Russland. Sie maturierte im Jahr 1959 und inskribierte danach an der Karl-Franzens-Universität Graz Türkisch und Englisch am Dolmetsch-Institut. Ebenfalls 1959 wurden im Grazer Heimatsaal erste Gedichte von Barbara FRISCHMUTH  gelesen. Ein Jahr später wurde sie in  Abwesenheit zum Gründungsmitglied des Forum Stadtparks ernannt. Im Frühjahr 1961 erfolgte die erste Lesung ihrer Werke im Forum. Als erste Übersetzung aus dem Ungarischen erschien das KZ-Tagebuch der Siebenbürger Jüdin Ana Novac 1967. Von da an war Barbara FRISCHMUTH als freie Schriftstellerin und Übersetzerin tätig. Ihr erstes eigenes Werk „Die Klosterschule“ erschien 1968. Von da an folgten Publikationen von Romanen, Erzählungen, Dramen, Hörspielen. Von 1997 bis 2002 war sie Mitglied des Ausschusses der Deutschen Schillergesellschaft in Marbach am Neckar. Barbara FRISCHMUTH hat einen Sohn, Florian Anastasius Grün, ist in zweiter Ehe seit 1988 mit dem Psychiater und Neurologen Dr. Dirk Penner verheiratet und lebt seit 1999 wieder in Altaussee. Barbara FRISCHMUTH wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt, dem Österreichischen Förderungspreis für Kinder- und Jugendbücher (1972), Literaturpreis des Landes Steiermark (1973), Literaturpreis der Stadt Wien (1979), Würdigungspreis für Literatur (1987), Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis (1998) sowie Literaturpreis der Stadt Graz bzw. Franz Nabl-Preis (1999)

Thomas MUSTER wurde am 2. Oktober 1967 in Leibnitz geboren. Sein Vater kaufte dem 8-jährigen Thomas einen Tennisschläger, um an einem Kinderkurs in Leibnitz teilzunehmen. 1977 gewann Thomas MUSTER sein erstes Jugendturnier. Bei einer Berufsberatung in der Hauptschule Leibnitz trug er als wahrscheinlich einziger Schüler „Tennisprofi“ als Berufswunsch ein. 1982 übersiedelte er ins Leistungszentrum Südstadt. Da sein Schuldirektor kein Verständnis für den Sport hatte, flog Thomas Muster mit Einverständnis seiner Eltern zur Jugend-Weltmeisterschaft nach Miami – aber auch von der Schule flog. 1984 war  Thomas MUSTER 1 der Jugendweltrangliste, nahm erstmals am Daviscup teil und wurde österreichischer Meister. Es begann der Einstieg ins internationale Herrentennis und die Zusammenarbeit mit Ronald Leitgeb. Dann ging es Schlag auf Schlag: 1986: 1. GP-Sieg in Hilversum, 1988 Siege in Boston, Bordeaux, Prag und Bari und 1989 Semifinale bei den Australien Open. Ein Unfall am 1. April 1989 unterbrach die Karriere. Nach der Operation feierte er bereits am 18. September 1989 sein Comeback im ausverkauften Radstadion in Wien.
Seinen größten Erfolg feierte Thomas Muster am 11. Juni 1995 in Paris. Er gewann als erster und bisher einziger Österreicher die „French Open“, das Grand Slam Turnier in Paris, gegen Michael Chang (USA) mit  7:5,6:2,6:4 Sätzen. Am 12. Feber 1996 wurde er Nummer 1 der Tennisweltrangliste und blieb einige Wochen an der Spitze der Weltrangliste. MUSTER war bisher der einzige Österreicher, der diese Erfolge verzeichnete.
Das letzte Spiel bestritt Thomas MUSTER 1999 auf der ATP-Tour bei den French Open in Paris. Insgesamt 44 Turniersiege bei 55 Finalteilnahmen, 1995: Matchrekord auf Sand (40 Siege in Folge), 1995/96 111 Siege bei 5 Niederlagen (ATP-Rekord), von 1990 bis 1995 keine Finalniederlage, Inhaber des Ironman Award 1995, Daviscup: 45 Spiele für Österreich, davon 36 Siege, erfolgreichster österreichischer Daviscupsieger aller Zeiten.
Thomas MUSTER wurde 1989 Sportler des Jahres in Österreich sowie 1989 und 1995 Steirischer Sportler des Jahres. Thomas MUSTER ist Ehrenbürger der Stadt Leibnitz sowie Inhaber des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark und des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich.
Danach übersiedelte er nach Australien (Queensland). Nach der Scheidung von seiner Frau Jo Beth  beabsichtigt Muster wieder in die schöne Steiermark zurückzukehren. Er ist Vater eines Sohnes.  

Josef Krainer-Würdigungspreis

ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerhard HOLZAPFEL wurde am 22. Mai 1961 in Graz geboren. Von 1980 bis 1985 studierte er  an der Technischen Universität Graz Bauingenieurwesen und legte im Juni 1985 die zweite Diplomprüfung mit Auszeichnung ab. Im Juni 1990 schloss er das Doktoratsstudium der Technischen Wissenschaften an der TU Graz mit Auszeichnung ab. Gerhard HOLZAPFELS beruflicher Werdegang zeigt sich wie folgt: Er forschte an der TU Graz, am Institut für Stahlbau an der TU Darmstadt, dem Institut für Statik und Dynamik der Ruhr-Universität Bochum. Ferner war er als Lehrbeauftragter an der Universität von Shenyang, China und an der  Fakultät für Maschinenbau, Stanford University, USA tätig. Seit 1998 ist HOLZAPFEL ao. Univ.-Prof. und Leiter der Arbeitsgruppe „Computational Biomechanics“ (4 wissenschaftliche Mitarbeiter) am Institut für Baustatik, TU-Graz.
Im Juli 1997 wurde Gerhard HOLZAPFEL der START-Preis der Republik Österreich verliehen. Dieser Preis stellt eine Förderung für junge Wissenschafter. Die Ballon-Anglioplastie ist eine der wichtigsten Methoden zur Behandlung von verengten Blutgefäßen, die unbehandelt zu Herzinfarkt, Raucherbein und Schlaganfall führen können. Das entwickelte Verfahren liefert neue grundlegende Einsichten in die Mechanik des Vorganges der Ballon-Aufdehnung und befindet sich derzeit im Versuchsstadium. Für das heurige Sommersemester hat er eine Gastprofessur in Spanien angenommen. Derzeit bereitet Gerhard HOLZAPFEL eine Internationale Konferenz in Graz im Jahre 2004 zum Thema „Mechanics of Biological Tissue“ vor. Sein Ziel ist es, die weltweit führenden Wissenschafter auf dem Gebiet der Biomechanik in Graz zusammen  zu bringen.

Josef Krainer-Förderungspreise

Mag. Dr. Elke JANTSCHER wurde am 26. Juli 1973 in Wagna bei Leibnitz geboren. Von 1991 bis 1997 studierte sie Biologie mit Schwerpunkt Zoologie und schloss mit Auszeichnung ab. Parallel dazu studierte Elke JANTSCHER auch Klassische Archäologie. In den Jahren 1997 bis 2001 machte sie ihr Doktorat im Bereich der Zoologie und bestand die Prüfungen mit Auszeichnung. Das Thema ihrer Dissertation lautet: „Revision der Krabbenspinnengattung Xysticus C.L. Koch, 1835 (Araneae: Thomisidae) in Zentraleuropa.“ Mit dieser über 400 Seiten starken Arbeit hat sie nicht nur eine fundamentale Lücke im Wissen um die Systematik der Krabbenspinnen geschlossen. Sie konnte sich damit europaweit im internationalen Feld der Spinnentierkunde etablieren und ist auch Mitglied in acht wissenschaftlichen Gesellschaften. Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes sammelte Elke JANTSCHER in zahlreichen Auslandaufenthalten, z.B. in London, Berlin, Bern, Frankfurt, Prag internationale Erfahrung. Ihr großes Engagement zeigt sich auch an der Teilnahme an Internationalen Kongressen wie z.B. in Chicago, Slowakei, Südafrika: Trotz großem Engagement und zahlreicher Publikationen ist Elke JANTSCHER seit zwei Jahren ohne fixe Anstellung. 

Dipl.-Ing. Dr. Paul MAYRHOFER wurde am 5. August 1972 geboren. Von 1991 bis 1997 studierte Paul MAYRHOFER an der Montanuniversität in Leoben, Studienrichtung Werkstoffwissenschaften. Im Dezember schloss er dieses Studium mit Auszeichnung ab und graduierte zum Diplomingenieur. In den Jahren 1999 bis 2001 verfasste Paul MAYRHOFER seine Dissertation am Institut für Metallkunde und Werkstoffprüfung der Montanuniversität Leoben zum Thema: „Materials Science Aspects of Nanocrystalline PVD Hard Coatings“. Diese Arbeit zeichnet sich nicht nur in experimenteller Hinsicht, sondern auch durch die fachkundige Interpretation der Resultate aus. Im Dezember 2001 graduierte er mit Auszeichnung zum Doktor der montanistischen Wissenschaften. Unter seiner Führung wurde am Institut die Untersuchung der thermischen Stabilität von Hartstoffschichten durchgeführt und optimiert. Ein großer Teil seiner Publikationen ist in der Zeitschrift Surface and Coatings Technology erschienen, die ein strenges Review-System verwendet und als international führende Zeitschrift auf dem Gebiet der Oberflächen- und Beschichtungstechnik gilt. Zahlreiche seiner Forschungsarbeiten wurden in Kooperation mit namhaften Industriebetrieben und nationalen sowie internationalen Forschungseinrichtungen durchgeführt.  In seiner Freizeit widmet er sich vor allem der Musik (Trompete und Flügelhorn in vier Musikkapellen).

Mag. Dr. Christian PIPPAN wurde am 30. August 1967 in Klagenfurt geboren. Im Jahr 1994 konnte er das Studium der Rechtswissenschaften erfolgreich abschließen. Bereits während seines Studiums war er als Studienassistent am Institut für Völkerrecht und Internationale Beziehungen an der Universität Graz tätig. Im Jahr 2001 schloss er das Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften mit Auszeichnung ab. Seine Dissertation verfasste er zum Thema: „Die Förderung der Menschenrechte und der Demokratie als Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Gemeinschaft“. Dabei handelt es sich um eine umfassende Darstellung der Entstehungsgeschichte der entwicklungspolitischen Instrumente der Gemeinschaft. Neben der Publikation seiner Dissertation verfasste Christian PIPPAN auch zahlreiche Artikel und Gastkommentare. Seit Mitte September ist Christian PIPPAN ein Jahr lang als Visiting Scholar an der New York University School of Law tätig, wofür ihm ein Erwin-Schrödinger-Stipendium des FWF gewährt wurde.

Mag. Dr. Astrid VERONIG wurde am 7. September 1970 in Eibiswald geboren. Sie studierte Astronomie, Physik, Deutschen Philologie und Philosophie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Im Juni 1998 schloss sie ihr Studium der Astronomie mit Auszeichnung. Bereits während ihres Studiums war sie von Jänner 1997 bis Dezember 1998 als studentische Mitarbeiterin am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademien der Wissenschaften und am Institut für Astronomie in Graz tätig. Außerdem folgten Forschungsaufenthalte am Observatorium in Triest. Nach dem Beginn des Doktoratsstudium war Astrid VERONIG von Februar bis Dezember 1999 und November bis Dezember 2000 als Software-Scientist bei der Atmospheric Remote Sensing and Climate System Group am Institut für Meteorologie und Geophysik (KFU) und von April 1999 bis Juni 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am FWF Projekt „Solar Variability and its Relevance for the Solar-Terrestrial Environment  tätig. Das Thema ihrer Dissertation lautete: „Solar Flares – The Neupert Effect, the Chromospheric Evaporation Model and Coronal Heating“ und beschäftigt sich mit dem Forschungsschwerpunkt der Sonnenphysik. Seit Oktober 2002 absolviert Astrid VERONIG einen Forschungsaufenthalt am NASA Goddard Space Flight Center, Solar Physics Branch in Greenbelt, USA.

Quelle: Landespressedienst vom 19. März 2003