Josef Krainer-Heimatpreis
- Franz Buchrieser (Schauspiel)
- Hans Knauß (Sport)
- Honorarkonsul Mag. Rudi Roth (Wirtschaft und Gesellschaft)
- Univ.-Prof. Dr. Freyja Smolle-Jüttner (Wissenschaft)
- Prof. Christian Weniger (Journalismus)
Die Krainer-Preisträgerinnen und Preisträger mit Enkelsohn von Josef Krainer sen. Franz Krainer, Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom und Obmann Gerald Schöpfer
© Foto: Benjamin Gasser
Laudatio des Obmannes oUniv.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer

Franz Buchrieser
Man stelle sich einen Buben vor, der am
Ende der Volksschule weder lesen noch
schreiben kann, dafür aber Munition,
Waffen und Stielhandgranaten zum Fischen besitzt.
Aus diesem Buben wurde ein Multitalent mit vielen
Facetten, so als Autor, Regisseur und großartiger Schauspieler.
Franz Buchrieser wird 1937 In Graz geboren, als Sohn einer Kauffrau und eines Juristen. Man kann sagen: Kaufmannsgeist und Paragrafen trafen sich in ihm, und er machte daraus Literatur. Sein Schultag beginnt in der Baracke in Neu Hart mit erhobener Hand und „Heil Hitler“ und endet meist mit dem Sirenengeheul und der Flucht in den Pfarrhauskeller von Don Bosco. Vier Jahre lang wechselt er alle paar Monate die Schule. Eine ordentliche Schullaufbahn sieht anders aus, dafür war es eine Schule des Lebens. Es folgen Gymnasium, die Grazer Schauspielschule Neuber-Gaudernak und das Reinhardt Seminar in Wien. Nebenbei wird er steirischer Meister über 200 Meter Brustschwimmen und Tormann der steirischen Wasserballmannschaft. Im Tor braucht man physische und mentale Stärke. Man lernt, Unvorhergesehenes abzuwehren, das hat später sicher geholfen.
Nach dem ersten Engagement in Kassel und einer Saison ist die Schauspielkarriere zunächst zu Ende. Buchrieser fällt aus der Rolle, und das ist bei ihm ein Kompliment. 1959 heiratet er Helene Gaudernak, es kommen vier Töchter. Er übernimmt die Greißlerei seiner Mutter und richtet in der Grazer Karlau eine Kantine für Häftlinge ein. Das ist gelebte gesellschaftliche Verantwortung, lange bevor man das so nannte.
Dann beginnt das Schreiben. Seine ersten Stücke „Hanserl“ und „Das Produkt“ werden am Schillertheater Berlin uraufgeführt. Fürs ZDF inszeniert er selbst und schafft damit das beste Fernsehspiel des Jahres. Für Radio Steiermark schreibt und inszeniert er Hörspiele, unter anderem mit Qualtinger und Ambros. Er schrieb auch Gerichts-Glossen für Zeitungen über Menschen, die vor einem Richter stehen.
Kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag bietet ihm Helmut Zenker die Rolle des „Kottan“ an. Aus Respekt vor Peter Vogel lehnt Buchrieser zunächst ab, doch Zenker blieb hartnäckig und überredete ihn schließlich. Das Ergebnis kennen wir: Goldene Kamera und Silberne Libelle in Cannes. Der Kottan wurde zur Ikone des österreichischen Fernsehens, und Buchrieser gab ihm Gesicht und Haltung und das war das Tor zur steilen Karriere.
Sein Weg führt weit über die Steiermark hinaus. Er dreht in Europa, Asien und Südamerika, arbeitet mit Rainer Werner Fassbinder („Berlin Alexanderplatz“), Margarethe von Trotta und Wolfgang Patzak und steht vor den Kameras von Xaver Schwarzenberger, Walter Kindler und Dietrich Lohmann. Mit dem Auto fährt er zweimal bis nach Kambodscha und Laos. Dabei bleibt er der steirische Autor, der bereits den Franz Theodor Csokor Preis und den Literaturförderpreis des Landes Steiermark erhalten hatte. Er verbindet Bühne, Funk, Fernsehen, Zeitung und Film so selbstverständlich, dass man vergisst, wie selten das ist. Alle seine unzähligen Filmrollen aufzuzählen, wäre abendfüllend.
Vier Töchter, eine Ehe über Jahrzehnte (67) und Freunde in allen Genres: Das scheint das Fundament zu sein, auf dem die vielen Rollen ruhen. Erdverbundenheit zeigt sich bei der Arbeit im eigenen steirischen Bauernhof.
Für mich ist der Grandseigneur Franz Buchrieser der Inbegriff von Coolness, grandioser Schauspielkunst und kreativem Multitalent. Wir verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk und dürfen den Josef-Krainer-Preise überreichen.
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Die heimliche österreichische Bundeshymne textete Wolfang Ambros: „Schifoan is des leiwaundste – Wos ma sich nur vurstelln kann“. Und damit kommen wir zu:
Hans Knauß
Eine Hundertstelsekunde ist kürzer als ein Wimpernschlag. Trotzdem hat sie einen Mann berühmt gemacht, der sonst nicht zu den Zögerlichen zählt. Wer „Hundertstel-Hansi“ heißt, trägt das Kleinste im Namen und hat daraus etwas Großes gemacht.
Seine Stimme kennen Generationen aus ihren Wohnzimmern, wenn er – ausgestattet mit einer Kamera – seine Schwünge auf den steilsten und eisigsten Rennpisten des Globus „fein wie eine Salami“ schnitt oder uns die Komparativstufen von Hopfenkaltgetränken zeigte. Als eines seiner unverkennbaren Markenkennzeichen ist hier auch das legendäre „Und zack, durch!“ bei der Überquerung der Ziellinie zu nennen.
Geboren wurde Hans Knauß in Schladming, als jüngstes von sechs Kindern. Wer in so einer Familie aufwächst, muss sich früh behaupten, am Tisch wie am Hang. Mit drei Jahren stand er auf Skiern, dem Wintersportverein Schladming blieb er seit dem 6. Lebensjahr treu, und Schladming blieb seine Heimat.
1994 stand er in Vail erstmals auf dem Weltcup-Podest, dann siegte er in Alta Badia im Riesentorlauf. Es blieb nicht dabei: Sieben Weltcupsiege und 29 Podestplätze stehen in seiner Bilanz, errungen in Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf. 1995/96 und 1997/98 wurde er jeweils Zweiter im Super-G-Gesamtweltcup. 1998 holte er in Nagano olympisches Silber. 1999 erklomm er den skifahrerischen Olymp, als er die legendärste aller Abfahrten auf der Streif in Kitzbühel gewann.
Wie kam es zu seinem Spitznamen? Bei der WM in Vail wurde er im Super-G mit einer Hundertstelsekunde Rückstand Dritter, hinter Hermann Maier und Lasse Kjus, die sich Platz eins teilten. Andere hätten gehadert, er machte daraus eine Marke. Dass er in seiner späten Phase noch einmal aufdrehte, zeigt der Winter 2002/03. Er gewann die Riesentorläufe in Adelboden und Lillehammer, wurde WM-Zweiter in St. Moritz und Dritter im Riesentorlauf-Gesamtweltcup. 2004 beendete er seine aktive Ski-Laufbahn.
Stillstand kannte er danach nicht. Er tauschte Skier gegen Rennreifen: Er wurde Zweiter der Tschechischen Langstreckenmeisterschaft und gewann das Hundertmeilen-Rennen von Brünn auf Lamborghini, fuhr in der FIA GT3 Europameisterschaft unter die ersten zehn und gewann den Lamborghini Manufacturers-Cup. Parallel begleitet er den ORF als Ski-Experte. Da spricht jemand, der alles am eigenen Körper erlebt hat. Seit 2021 moderiert er „Österreich vom Feinsten“ und führt durch Landschaften, Volksmusik und Menschen. Dafür erhielt er 2022 die Romy als „Beliebtester Moderator im Bereich Show/Unterhaltung“.
Mindestens so bemerkenswert ist, was er mit seinem Namen anfängt. 2018 gründete er mit dem Tourismusverband Schladming-Dachstein und den vier Bergbahnen der Region das „Hans Knauß Alpin Pro Team“ und stärkt damit seine Heimat. Bei „Loose Tie“ wirbt er mit einem Augenzwinkern für die Prostata-Früherkennung. Wings for Life nennt er sein Herzensprojekt, und ist auch Botschafter der Special Olympics World Winter Games.
Privat ist Hans Knauß dort, wo er herkommt. Er ist verheiratet mit Barbara und Vater von Nella und Leo. In der Freizeit sucht er weiter das Tempo, auf Mountainbike und Motorrad, und die Höhe auf den Berggipfeln.
Hans Knauß hat bewiesen, dass es nicht auf die Länge der Zeit ankommt, sondern darauf, was man aus ihr macht. In den nordischen Mythen verehrt man den sagenhaften Uller als den Gott des Skifahrens – wir haben aber Hans Knauss, dem, wir nun den Krainer-Heimatpreis überreichen dürfen.
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Musik: Suplicante von Rafael L. Lopez
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Ein Sängerknabe, Torhüter, Ölhändler, Konsul, Stipendiengeber: Wer das für fünf Lebensläufe hält, irrt. Es ist ein einziger, nämlich der des Mag. Rudi Roth. Ein Tormann verhindert Treffer, so sagt man. Ein guter Tormann aber behält den Überblick und eröffnet das Spiel. Genau das hat Rudi Roth sein Leben lang getan.
Geboren in Feldbach wuchs unser Preisträger in Gnas, als Sohn von Maria und Komm.-Rat Hans Roth, dem Begründer der Firmengruppe Roth auf. Da ich bereits seit einem ¼-Jahrhundert Vorsitzender des Steirischen Gedenkwerkes bin, erinnere ich mich gut, dass ich vor genau 20 Jahren bereits Deinem Vater den Josef-Krainer- Preis überreichen durfte.
Rudi Roth musste bereits mit erst 10 Jahren seine Heimat Gnas verlassen, denn er hatte die Aufnahmeprüfung zu den Wiener Sängerknaben bestanden. Ein Bub vom Land, der in Wien Haltung, Disziplin und Gemeinschaft lernte: Diese Erfahrung hat ihn geprägt. Später folgten die Matura am Realgymnasium Graz und an der Handelsakademie, ein Business Degree an der University of Massachusetts Amherst, die Ausbildung zum Drogisten und das Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Graz, das er als Mag. rer. soc. oec. abschloss. Seine Verbundenheit zur Familie Krainer reicht bis in die Kindheit zurück, Joschi Krainer war sein Firmpate.
1972 gründete Rudi Roth die Heizöle ROTH Gruppe. Daraus wurde ein nationaler und internationaler Ölhandel mit Büros in Moskau, Belgrad, Zagreb und Budapest und mit eigenen Tankstellen. 2002 folgte die Roth Group Oil International. Zusammen erreichten die Unternehmen rund eine Milliarde Euro Umsatz, und Roth wurde Chef des umsatzstärksten steirischen Handelsbetriebs. Der Mann des fossilen Brennstoffs dachte aber schon früh an morgen. Er war ein Biodiesel-Pionier: In Komárom in Ungarn entstand mit Rossi Biofuel, einer Investition von rund 40 Mio. €, die größte Biodieselraffinerie Europas. Auch Österreichs erste Biodiesel-Tankstelle trägt seine Handschrift. Wer Öl handelt und zugleich den Abschied vom Öl plant, beweist Weitblick.
Seit vielen Jahren ist Mag. Roth in der Interessenvertretung tätig. Er war Gremialvorsteher des steirischen Mineralölhandels und übte viele weitere Funktionen aus.
Seit 1993 ist er Honorarkonsul von Ungarn, heuer also seit 33 Jahren, und damit längst dienender Konsul und Doyen des Konsularischen Corps in der Steiermark. Rund 30 Städtepartnerschaften gehen auf ihn zurück. Als 2010 die Giftschlammkatastrophe Devecser traf, baute er gemeinsam mit dem Land Steiermark einen Kindergarten.
Sein Herz für die Jugend zeigt sich im Stipendienwesen: Es gibt das Stipendium Hungaricum an der Kunstuniversität Graz und es gibt das Rudi-Roth-Stipendium an der Uni Graz. Über 250 Stipendiatinnen und Stipendiaten, vor allem aus Ungarn und Osteuropa, haben mit mehr als 300.000 Euro seine persönliche Förderung erfahren. 2022 ernannte ihn die Karl-Franzens-Universität zum Ehrensenator.
Und dann der Fußball. Rudi Roth war von 1971 bis 1977 Profi beim GAK mit über 100 Bundesligaspielen, dazu kamen drei Einsätze im Amateurnationalteam und zwei im UEFA-Cup. Er war der erste Fußballer, der neben der aktiven Profilaufbahn ein Studium abschloss. Zeitzeugen wissen, dass er nach der Sponsion von Spielerkollegen auf den Schultern aus der Aula getragen wurde. Als GAK-Präsident führte er den Klub 2004 zum Meistertitel, außerdem zu Cup- und Supercupsieg.
Der Zufall wollte es, dass wir vor einer Woche gemeinsam als Referenten bei einem Symposium an der Andrassy-Universität waren. Und da hast Du mir gestanden, dass es noch immer schmerzt, wenn ein Fußballspiel – beispielsweise gegen den Erzrivalen Sturm – nicht so ausgeht, wie man es erhofft hatte.
Doch unser Preisträger tut stets unerschrocken Gutes: Nach der Tsunami-Katastrophe 2005 finanzierte er in Sri Lanka ein Fußballstadion.
Rudi Roth ist Familienmensch: verheiratet mit Mag. Andrea Roth, Vater von Jürgen und Marie-Sophie, Großvater von Matteo und Florentina. Man spürt, dass er Verantwortung im Großen wie im Kleinen als Teamgeist begreift.
Der Sängerknabe aus Gnas hat gelernt, im Chor zu singen, und als Tormann, im Ernstfall alles zusammenzuhalten. Beides hat Rudi Roth zeitlebens vereint: Er hält zusammen, was zusammengehört, und er spielt den Ball oft selbstlos weiter, damit auch andere zum Zug kommen. Lieber Rudi: Du hast den Josef-Krainer-Preis mehr als verdient.
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Wie oft atmen wir? Ein gesunder erwachsener Mensch atmet in Ruhe etwa 12 -20 Mal pro Minute. Wenn wir einen Durchschnittswert von 16 annehmen, dann werden Sie in unserer Feierstunde etwa 960 mal atmen. Sie haben also ordentlich zu tun.
Yogis sehen im richtigen bewussten Atmen einen Schlüssel zum Wohlbefinden: „Pranayama“ heißt hier das Fachwort, dies steht für bewusste Regulierung der Atmung. Unsere nächste Preisträgerin ist aber keine fernöstliche Yogalehrerin, sondern sie nähert sich mit ihrer medizinischen Expertise dem Thema Lunge.
Univ.-Prof. Dr. Freyja-Maria Smolle-Jüttner
Es gibt Menschen, die unter Druck zusammenbrechen, und es gibt solche, die ihn zum Beruf machen. Freyja-Maria Smolle-Jüttner hat Letzteres getan: Sie hat sich als Chirurgin in die Enge des Brustkorbs begeben und als Hyperbarmedizinerin in die Druckkammer. Dabei hat sie nie die Luft verloren, weder ihre eigene noch die von Patientinnen und Patienten, Studierenden oder ihrer Institutionen. Der Sinn für Atem und Rhythmus lag schon in der Wiege. Sie wurde in Graz als Einzelkind geboren. Die Mutter unterrichtete an der Lehrerbildungsanstalt Hasnerplatz, der Vater war Abteilungsleiter und Dekan am Mozarteum Salzburg.
Pädagogik und Musik gehörten zur Familie, und beides prägt sie bis heute. Sie maturierte am Gymnasium der Ursulinen, dann studierte sie in Graz Medizin.
1983 war sie in New York am Mount Sinai Hospital, Dann wurde sie Fachärztin für Chirurgie, 1988 war ein ereignisreiches Jahr: Sie habilitierte sich, sie hospitierte in Heidelberg und sie heiratete Josef Smolle. Der bekannte Dermatologe und Venerologe war auch Rektor der Medizinischen Universität Graz und Abgeordneter zum Nationalrat.
Die Spezialisierung auf Thoraxchirurgie und Hyperbare Chirurgie war damals alles andere als selbstverständlich.
Sie absolvierte zahlreiche spezielle Ausbildungen und die Additivfachqualifikation Intensivmedizin und Facharztqualifikation Thoraxchirurgie. Dann wurde sie Leiterin der Abteilung für Thoraxchirurgie und Hyperbare Chirurgie in Graz. Ein Vierteljahrhundert lang prägte sie das Fach, das sie mit aufgebaut hat.
Aus der Klinik wuchs Neues: intraoperative Radiotherapie, photodynamische Therapie und, besonders eindrucksvoll, ein biomechanisches Modell der Thoraxwand für den 3-D-Druck von Rippenersatz. Dafür arbeitete sie mit dem Max-Planck-Institut in Tübingen, der Montanuniversität Leoben, der TU Graz und der Université Libre de Bruxelles zusammen. Im INTERREG-Projekt zur Hyperbaren Therapie war sie Leading Austrian Project Partner. Auf ihr Konto gehen fast 600 Publikationen und sie hat einen auffallend hohen Hirsch-Index. Übrigens: der Hirsch-Index hat nichts mit Jägerlatein zu tun, sondern ist eine Messzahl, wie sehr ein Forscher international wahrgenommen wird.
Mit der Spitzenmedizin war es aber nicht getan. Sie war Präsidentin zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und 2008 holte sie den Kongress der European Underwater and Baromedical Society nach Graz, erstmals in ein Binnenland. Zugleich war sie Mitglied des Senats und des Innsbrucker Universitätsrats und wirkte in unzähligen Kommissionen mit. Seit 2021 steht sie an der Spitze der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Besonders erfolgreich war sie im Fördern: Sie gab ihr Wissen stets ambitioniert, auch an Habilitanden, weiter und wurde auch zweimal zur Lehrenden des Jahres gewählt. Seit 2024 leitet sie das Team Nachhaltigkeit der Med Uni Graz. 2015 war sie zufällig bei der Amokfahrt in Graz, zusammen mit Familienangehörigen, in der Innenstadt und war Ersthelferin bei der Versorgung der Opfer.
Der Humus für ihre großartigen Leistungen liegt vielleicht in ihrem Privatleben: In der Ehe mit Josef Smolle wurde sie Mutter von vier Kindern. Zum Ausgleich musiziert sie, wandert, liest, werkelt im Garten und repariert im Haus selbst, was repariert werden muss. Eine Chirurgin, die auch Wasserleitungen und Zaunlatten nicht scheut.
Sie kennen sicher den Spruch: Wenn Sie wissen wollen, wie ihre Krankheit heißt, gehen Sie zu einem Internisten, wenn Sie wollen, dass etwas getan wird, gehen Sie zu einem Chirurgen.
Sich in dieser Männerdomäne zu behaupten, bedeutet, dass man nicht nur so gut, sondern besser als viele Männer sein muss. Ja man muss ausgezeichnet sein. Und dies wollen wir nun mit dem Josef-Krainer-Preis zum Ausdruck bringen.
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Nicht jeder liebt Journalisten: Agatha Christie bekannte einmal freimütig: Ich habe Journalisten nie gemocht. Ich habe sie alle in meinen Büchern sterben lassen.
Da muss man natürlich entgegenhalten: Unsere Demokratie braucht gute Journalisten, denn in einer Welt voller irrlichternden Fake News ist es gut, wenn es belastbare seriöse Nachrichten und Berichte gibt, auf die man sich verlassen kann.
Und damit kommen wir zu Prof. Christian Weniger
Es gibt Journalisten mit guter Nase, und es gibt Christian Weniger, der 1988 im armenischen Erdbebengebiet tatsächlich mit Rettungshunden nach Überlebenden suchte. Wer Spuren aufnimmt, Verschüttetes freilegt und nicht lockerlässt, bevor er etwas gefunden hat, der hat sein Lebensthema früh gefunden. Später führte ihn dieselbe Spürnase durch Grazer Gassen, zunächst an der Leine von Paula, dann an der von Lilly.
Geboren wurde Christian Weniger in Wien, als viertes von fünf Kindern. Aufgewachsen ist er in Leoben, mit Hauptschule, Polytechnischem Lehrgang und der Handelsakademie in Bruck an der Mur. Dann kam eine Wendung, die man bei einem späteren Chefredaktionsmitglied nicht erwarten würde. Er begann eine Lehre zum Buch-, Kunst- und Musikalienhändler. Wer jahrelang Bücher über den Ladentisch reicht, weiß, dass Geschichten Menschen bewegen. 1983 holte er die Berufsreifeprüfung nach und begann das Jusstudium.
Ein Jahr später, schrieb er als freier Mitarbeiter für die Lokalredaktion der Kleinen Zeitung. Dann wurde er Reporter und schließlich Redakteur. Es folgte eine steile Karriere: 1992 Leiter des Stadtressorts Graz, 1997 Leiter des Bundesland- und Chronik-Ressorts, 2006 Chef vom Dienst und Mitglied der Chefredaktion, 2014 Leitender Deskchef. Gleichzeitig wurde er zum Herausgeber und Autor großer historischer Serien.
Es entstanden gemeinsam mit namhaften Historikern „1914–1918: Der Erste Weltkrieg“, „1945 – Vom Dritten Reich zur Zweiten Republik“, „1918–1938: Die verlorene Republik“ und „Als Österreich zu sich fand“. Es folgte das Magazin „Die Neuordnung Europas“.
Seine Verdienste reichen weit über die Redaktionsstube hinaus. Für den Einsatz in Armenien erhielt er das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark. Der Bundespräsident verlieh den Berufstitel „Professor“ und es folgte das Große Ehrenzeichen des Landes. Zivilcourage bewies er in der Causa Globke: 2018 begann er, eine Änderung des Ehrenzeichengesetzes anzustoßen, damit dem NS-Juristen Hans Globke seine Auszeichnung posthum aberkannt werden kann. Im Oktober 2023 beschloss der Nationalrat das Gesetz, im Mai 2024 wurde die Ehrung aberkannt. Ein Journalist hat hier Geschichte nicht nur erzählt, sondern auch korrigiert.
Besonders am Herzen liegt ihm die Jugend. Seit 2024 bringt er mit Univ.-Prof. Helmut Konrad Demokratiegeschichte in die Klassenzimmer. Beim Projekt „1933/1934 – Schicksalsjahre der Demokratie“ waren es elf Schulen mit rund 700 Schülerinnen und Schülern. Bei „Reden wir über Demokratie“ im Frühjahr 2025 wurden es 20 Schulen mit 1400 Jugendlichen. Sie präsentierten selbst erarbeitete Beiträge, und Kinder mit Migrationshintergrund berichteten über ihre früheren Heimatländer. Für 2027, 160 Jahre nach dem Staatsgrundgesetz von 1867, ist die nächste Reihe geplant. All dies wird rein ehrenamtlich durchgeführt.
Seit 1. Jänner 2022 ist unser Preisträger in Pension, nur bemerkt hat das bei der Kleinen Zeitung kaum jemand, denn er schreibt weiter. Mit den „Grazer Spaziergängen“ machte er seit 2017 Straßen und Plätze zu Geschichtenbüchern, zwei Bände entstanden daraus, und mit Lilly geht es seit 2024 weiter. Das nächste Buch erscheint Mitte November.
Wir hoffen, dass unser Preisträger mit viel Esprit noch viele Hektoliter von Druckerschwärze zum Fließen bringen wird und dürfen den verdienten Josef Krainer-Preis überreichen.