Josef Krainer-Würdigungspreis
- Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Anita Emmerstorfer-Augustin (Molekulare Biotechnologie)
- Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Eva Gerold (Metallurgie)
- Assoz. Prof. Dr. Georg Jäger, MSc. (Umweltsystemwissenschaften)
- Univ.-Prof. Mag. Lisa Paleczek, PhD. (Bildungswissenschaft)
Josef Krainer-Förderungspreis
- Dipl.-Ing. Dr. Charlotte Cui (Werkstoffwissenschaft)
- Dr. Johanna Dabernig-Heinz, MSc. (Molekulare Mikrobiologie)
- Dipl.-Ing. Dr. Markus Fasching (Technische Wissenschaften)
- Mag. Dr. Andreas Joham (Rechtswissenschaften)
- Mag. Eva Krisper, PhD. (Jazz- und Popularmusikforschung)
- Claudia Laštro, PhD. (Politikwissenschaft)
- Dr. Stefan Purkhart (Physik)
- Dipl.-Ing. Dr. Malina Seyffertitz (Werkstoffwissenschaft)
Besonderer Dank gilt der GRAWE und der Steiermärkischen Sparkasse für das Sponsoring der Preisgelder.
Die Krainer-Preisträgerinnen und Preisträger mit Landesrat Willibald Ehrenhöfer, GRAWE Generaldirektor Klaus Scheitegel, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Verwaltungssparkasse Gerhard Fabisch und Obmann Gerald Schöpfer
Foto: © Foto Fischer
Ansprache des Obmannes oUniv.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
Magnifizenz! – Sehr geehrte Ehrengäste! – Meine Damen und Herren!

Namens des Steirischen Gedenkwerkes –Josef Krainer, darf auch ich Sie herzlich begrüßen. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Preisträgerinnen und Preisträger, die Großartiges vollbracht haben.
Die Josef Krainer-Preise tragen den Namen des unvergessenen steirischen Landeshauptmannes Josef Krainer Senior, der von 1948 bis zu seinem Tod 1971 unser Land prägte. Natürlich denken wir bei dieser Gelegenheit auch an dessen Sohn, Landeshauptmann Dr. Josef Krainer, der zur Wissenschaft ein besonders inniges Verhältnis hatte, er war ja auch Universitätsassistent am Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte, bevor ihn der Ruf in die Politik ereilte. Er war auch Ehrensenator aller damaliger steirischer Universitäten.
Die Josef Krainer-Wissenschaftspreise werden nach öffentlicher Ausschreibung vom Vorstand des „Josef Krainer – Steirisches Gedenkwerk“ auf Vorschlag eines unabhängigen Wissenschaftlichen Beirates vergeben, der interdisziplinär aus namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller steirischen Universitäten zusammengesetzt ist und die Bewerbungen einem – internationalen Standards entsprechenden – aufwändigen Evaluierungsverfahren unterzieht.
Das Gedenkwerk dankt den steirischen Universitäten für die Kooperation bei der Überreichung der Josef Krainer-Wissenschaftspreise, die heute an der Universität Graz und in weiterer Folge 2027 an der TU, 2028 an der Kunstuniversität, 2029 an der Montanuni und 2030 an der Meduni stattfinden wird. Danke an alle Rektoren, die dies ermöglichen.
Das Gedenkwerk dankt besonders der Grazer Wechselseitigen Versicherung, Herrn Generaldirektor Mag. Klaus Scheitegel, und der Vorstandsvorsitzende der Steiermärkischen Verwaltungssparkasse, Dr. Gerhard Fabisch und Dr. Friedrich Santner. Wir sind besonders dankbar, dass sich die beiden Institutionen bereit erklärt haben, die Wissenschaftspreise 2026 zu sponsern. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein gutes Investment in die junge Wissenschaft und damit die Zukunft der Steiermark ist. Damit verbinden wir Hoffnung, dass diese Kooperation auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden kann.
Josef Krainer war bereits in der Zwischenkriegszeit in der Politik tätig, während der NS-Zeit war er wegen seiner Unbeugsamkeit Verfolgungen ausgesetzt. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trug er zu entscheidenden Weichenstellungen bei. Trotz aller Konsequenz war er stets ein Mann des Ausgleiches und des vernünftigen Miteinander.
Das Josef-Krainer Gedenkwerk besteht seit 1973. Ihm gehören prominente Persönlichkeiten an. Darunter die Vorstandsmitglieder Ministerin a.D. Ruth Feldgrill-Zankl, die ehemaligen Landtagspräsidenten DI Hasiba und Prof. Franz Majcen, als Geschäftsführer und umsichtiger Steuermann durch wilde Gewässer, Universitätsprofessor Dr. Klaus Poier mit seinem Team, und Finanzreferent Dr. Karl Maitz. Die Familie Krainer ist im Vorstand durch Dr. Franz Krainer vertreten.
In Vertretung der großen Familie Krainer wird heute Frau Dorothea Jaufer an der Preisverleihung mitwirken.
Wir dürfen heute besondere Persönlichkeiten ehren. Hier werden die Spannweite und die Vielfalt in den Lebensläufen sichtbar. Fast alle Prüfungen wurden mit Auszeichnung absolviert – so erspare ich es mir, dies bei jeder Laudatio zu wiederholen. Es gab so viele ausgezeichnete Bewerbungen, dass die Auswahl sehr schwierig war und wir uns zu einer Teilung der Preise entschlossen haben.
Und den Preisträgerinnen und Preisträgern darf ich empfehlen, lehnen Sie sich entspannt zurück, genießen Sie diese Stunde und ertragen Sie mit Gelassenheit die auf sie gemünzten lobenden Worte – sie haben diese mehr als verdient.
Was wäre ein Fest ohne Musik?
In bewährter Weise spielen die Spafudla.
Besetzung:
Lucia Froihofer – Violine
Miloš Milojević – Klarinette
Daniel Fuchsberger – Kontragitarre
Gabriel Froihofer – Kontrabass
Zur Einleitung hörten wir bereits eine Komposition von Gabriel Froihofer.
Zur Reihenfolge der Preisverleihungen darf ich als Vorbemerkung für die Bibelfesten an das Neue Testament erinnern: Da heißt es bei Matthäus: Die Letzten werden die Ersten sein!
Lassen Sie mich einleitend vorausschicken, dass die Steiermark bei der Quote für Forschung und Entwicklung mit über 5,31 % des regionalen BIPs In Österreich an einsamer Spitze, aber auch europaweit im Spitzenfeld liegt. Und dazu kommt, dass die Forschung zusehend weiblicher wird.
Dieser statistische Befund darf nun mit einer ganz konkreten Persönlichkeit belegt werden. Uns so kommen wir zu Malina Seyffertitz.
Sie wurde in Graz geboren und wuchs zweisprachig mit Deutsch und Slowenisch auf. Nach der Matura am BRG Körösistraße studierte sie an der Montanuniversität Leoben.
Dort absolvierte sie mit Brillanz das Bachelor- und Masterstudium der Materialwissenschaft. Ihr Masterabschluss widmete sich der Entwicklung neuartiger Titan-Aluminid-Legierungen für umweltfreundlichere Antriebssysteme.
Das Doktoratsstudium brachte ihr eine entscheidende Neuausrichtung: hin zu wässrigen Superkondensatoren – Energiespeichern, die im einfachsten Fall aus Aktivkohle und Kochsalzlösung bestehen, physikalisch-chemisch aber höchst komplex sind. Ihre Dissertation galt dem Bobachten von Systemen, genau dann, wenn sie arbeiten – in situ und operando. Mehr als zehn erfolgreiche Anträge an internationale Großforschungsanlagen zeugen davon, dass dieser Ansatz auch das internationale Fachpublikum überzeugte.
Sie ist bereits Trägerin zahlreicher Auszeichnungen.
Seit 2025 forscht sie an der Universität Cambridge, nun mit Fokus auf die elektrochemische CO₂-Abscheidung. Sie beweist, dass Grundlagenforschung großen gesellschaftlichen Nutzen stiften kann.
Wenn sie nicht an Großforschungsanlagen Neutronen auf Superkondensatoren schießt, geht sie klettern oder sucht gemeinsam mit ihrem Mann und Hund Nella Schwammerln.
Für Schwammerln ist es noch zu früh – aber die Zeit ist reif, für den Josef-Krainer-Förderungspreis.
Dr. Stefan Purkhart
Wer die Sonne verstehen will, muss lernen, ins Licht zu schauen – ohne dabei geblendet zu werden. Stefan Purkhart tut dies seit Jahren mit Präzision und Leidenschaft. Dabei hat er nicht nur die Sonne, sondern auch die Künstliche Intelligenz im Visier.
Aufgewachsen in Linz, legte Stefan Purkhart früh die Grundlagen für eine außergewöhnliche Karriere. Im Gymnasium widmete er seine vorwissenschaftliche Arbeit der Stringtheorie – Dabei geht es um den physikalischen Ansatz, der besagt, dass die kleinsten Bausteine des Universums keine punktförmigen Teilchen sind, sondern winzige, schwingende fadenartige Energieknoten – sogenannte „Strings“.
Es folgte das Studium der Technischen Physik in Linz. Aber eine Gastvorlesung von Univ.-Prof. Arnold Hanslmeier brachte ihm die Liebe zur Astrophysik und unser Preisträger wechselte nach Graz und schrieb seine Masterarbeit bei Univ.-Prof. Astrid Veronig über Nanoflares und den Sonnenzyklus. Dann folgten Wendepunkte, Überraschungen und Momente tiefer Begeisterung. Als Doktorand wurde Purkhart Teil des internationalen STIX-Teams der ESA-Raumsonde Solar Orbiter und widmete sich der fundamentalen Fragen der Sonnenphysik: Wie formt die Struktur des Magnetfeldes die gigantischen Sonneneruptionen?
Wie meinte einst Papst Johannes Paul I.: „Es gibt Menschen, die die Sonne nur anschauen, um Flecken darauf zu finden.“
Unser Preisträger kombinierte Beobachtungsdaten von Weltraummissionen, entwickelte Analysepipelines für Datensätze im Terabyte-Bereich und wandte auch maschinelles Lernen im Dienst der Astrophysik an.
Eines der Highlights war eine Beobachtungskampagne am Teleskop der Schwedischen Akademie der Wissenschaften auf La Palma. Zahlreiche international beachtete Publikationen zeugen von seiner wissenschaftlichen Exzellenz.
Privat ist Stefan Purkhart ein Mensch, der die Erdung sucht: in langen Radtouren, in Reisen mit seiner Verlobten oder in handwerklicher Arbeit.
Wir freuen uns, den Josef-Krainer-Förderungspreis überreichen zu dürfen.
Claudia Laštro, PhD.
Claudia Anka Laštro wurde in Dachau geboren – in einer Stadt, die an das Scheitern demokratischer Zivilisation erinnert. Dass sie sich der Frage widmet, unter welchen Bedingungen Demokratie gelingt oder scheitert, wurde mehrfach ausgezeichnet und ist in drei Sprachen nachlesbar.
Laštro studierte in München Politikwissenschaft und Geschichte. Schon ihre Masterarbeit führte sie in ein Land der Kontraste: Bosnien und Herzegowina, wo sie Dimensionen weiblicher Friedensarbeit erforschte.
Parallel dazu arbeitete sie beim Goethe-Institut in Sarajevo.
Ihr Doktorat absolvierte sie am Zentrum für Südosteuropastudien der Karl-Franzens-Universität Graz. Die Dissertation trägt den nüchternen Titel: „Do elite splits stabilise autocratic regimes?“ Ihre Antwort ist brisant. Claudia Laštro interessiert sich nicht für bequeme Wahrheiten, sondern für die unbequemen Mechanismen dahinter. Sie erhielt dafür schon viele wertvolle Auszeichnungen.
Sie hat Koalitionsbildung in „weichen Autokratien“ des Südkaukasus erforscht, Lehrveranstaltungen und Workshops abgehalten, Podiumsdiskussionen moderiert und Policy Briefs verfasst, die tatsächlich gelesen werden – zuletzt zum Stand der Demokratie in Serbien, mitten in einer Protestwelle.
Und dann ist da noch die andere Seite: Claudia Laštro spielt Gitarre und hat einen Dokumentarfilm gedreht. Derzeit arbeitet sie an einem illustrierten Gedichtband. Wer die Grenzen zwischen Demokratie und Autokratie kartographiert, hat auch keine Scheu vor den Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst. Das ist schon einen Josef-Krainer-Förderungspreis wert.
Mag. Eva Krisper, PhD.
Ein kleiner, kluger Satz steht im Zentrum der Forschung der nächsten Preisträgerin – „Sie wünschen, wir spielen (nicht)“. Es ist das Leitmotiv einer Forscherin, die sich weigert, bloß nachzuspielen, was andere vorgeben. Eva Krisper ist eine Musikwissenschaftlerin, die Fragen stellt, wo andere zufrieden mit Antworten wären; die Coverband, das Populäre, das scheinbar Triviale – Themen, die sie mit Ernsthaftigkeit und Neugier befragt.
Geboren in Graz, ist Eva Krisper ihrer Kunstuniversität stets treu geblieben. Sie kam als Studierende und blieb als Forscherin. Sie erwarb den Bachelor im Instrumentalen Gitarren- und Gesangsprogramm „Gesang – Jazz“; es folgte ihr Magisterstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Der Weg hätte hier enden können. Stattdessen begann Eva Krisper, das, was sie als Musikerin von innen kannte, als Wissenschaftlerin von außen zu betrachten. Ihre Doktorarbeit ist Beleg dafür: eine Erkundung musikalischer Praktiken von Coverbands, die mit dem Blick der Insiderin schaut und mit dem Instrumentarium der Forscherin analysiert. Dabei entsteht eine Befragung dessen, was Kreativität, Professionalismus und musikalische Identität überhaupt bedeuten.
Dieser Ansatz wurde ihr Markenzeichen. Auf Konferenzen, quer über die ganze Welt, hat Eva Krisper ihre Thesen verbreitet. Ihre Mitherausgeberschaft bei SAMPLES, dem Online-Journal der Gesellschaft für Popularmusikforschung, sowie ihr Engagement in der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung, zeugen ihrer Vielseitigkeit.
Seit 2022 ist sie im Büro des Vizerektorats für Forschung der KUG sowie der Stabsabteilung für Öffentlichkeitsarbeit tätig – und beweist: Wissenschaft und Kommunikation sind keine Gegensätze. An ihren privaten Leidenschaften – dem Podcast-Wandern, dem Kreativlogik-Rätsel, dem Volleyball – merkt man, dass hier eine Frau am Werk ist, die Dinge gern durchdenkt, verbindet und in Bewegung hält. Apropos Bewegung: wir dürfen sie nun bitten, nach vorne zu kommen, um den verdienten Josef-Krainer-Förderungspreis entgegenzunehmen.
Mag. Dr. Andreas Joham
Wer kennt Regeln besser als jemand, der sie nicht nur studiert, sondern auch pfeift? Dr. An-dreas Joham ist Rechtswissenschaftler und Fußballschiedsrichter – zwei Berufe mit Gemeinsamkeiten. Beide verlangen unbestechliche Urteilskraft, Autorität in strittigen Momenten und die Fähigkeit, auch unter Druck richtige Entscheidungen zu treffen.
In St. Veit an der Glan geboren, maturierte unser Preisträger am Gymnasium Völkermarkt. Parallel zur Schule unterrichtete er Gitarre und Klavier – ein junger Mann, der anderen etwas beibrachte, lange bevor er den Weg an die Universität fand.
Der Weg durch das Jusstudium in Graz war nicht geradlinig: Ein Semester an der Örebro Universitet in Schweden, Praktika bei renommierten Rechtsanwälten, ein Aufenthalt am AußenwirtschaftsCenter in Bangkok – Unser Preisträger suchte die Welt . Doch er fand immer wieder zurück zum Recht. Der krönende Abschluss dieser Phase war der Sieg beim nationalen Umweltrecht Moot Court 2019.
Das Doktoratsstudium in Graz war der Beginn einer intensiven Karriere. Am Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft etablierte sich Joham als ausgewiesener Experte. Seine Publikationsliste bestätigt dies: von der verfassungsrechtlichen Analyse der Kärntner Windkraft-Volksbefragung über Beiträge im Jahrbuch für direkte Demokratie bis hin zu Erörterung über Volksrechte und er gestaltet auch wissenschaftliche Diskussionen selbst mit.
Doch Joham verbirgt sein Wissen nicht. Als ehrenamtlicher Rechtsreferent der Bezirksstelle Völkermarkt des Roten Kreuzes Kärnten gibt er sein Know-how weiter, z.B. durch Vorträge zum Unterbringungsgesetz.
Und dann ist da noch die Musik. Wer Andreas Joham begegnet, begegnet auch dem Saxopho-nisten der ehemaligen Militärmusik Kärnten, dem Pianisten, dem Gitarristen – und dem akti-ven Sänger. Es ist kein Zufall, dass jemand, der mehrstimmige Harmonien kennt und gestaltet, auch im Recht die Vielstimmigkeit demokratischer Prozesse versteht und schätzt.
Wir gratulieren herzlich zum verdienten Josef-Krainer-Förderungspreis.
Dipl.-Ing. Dr. Markus Fasching
Wer ein Motorrad kennt, kennt das Kribbeln beim Starten – jenen Augenblick, in dem gespei-cherte Energie freigesetzt wird. Was geschieht aber, wenn diese Energie unkontrolliert entweicht? Diese Frage hat Markus Fasching behandelt – und die Antworten, die er gefunden hat, machen Elektromobilität sicherer.
In Graz legte Markus Fasching an der HTL Bulme das Fundament für eine beeindruckende Ingenieurskarriere. Es folgten Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Graz. An der Nanyang Technological University in Singapur schärfte jenen internationalen Horizont, der sein späteres Schaffen kennzeichnet.
Aus seiner Dissertation am Institut für Fahrzeugsicherheit der TU Graz entwickelte sich ein Forschungsprogramm mit internationaler Strahlkraft. Fasching stellt die Frage: Wie sicher sind Lithium-Ionen-Batterien wenn sie in Unfälle verwickelt werden?
Sein Ansatz war kreativ: Experimentelle Untersuchungen, numerische Simulationen und innovative Bewertungsmethoden wurden miteinander verwoben. Er entwickelte zwei Instrumente, die die Aufmerksamkeit erregten: die Hazard Matrix und die Sicherheitsfunktion – zwei Methoden, die das sicherheitstechnische Verhalten von Batteriezellen in einer einzigen Kennzahl verdichten. Eine wissenschaftliche Eleganz, die die Fachwelt zu schätzen weiß.
Er leitet als Senior Researcher die Forschungsgruppe zur Batterien-Sicherheit und beweist, dass erstklassige Wissenschaft und gesellschaftlicher Nutzen einander nicht ausschließen.
Seine Publikationen fanden internationale Anerkennung. Ergänzt durch die engagierte Betreuung von Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten zeigt sich: Fasching gibt Wissen so verlässlich weiter, so wie ein gut geladener Akku Energie abgibt.
Dr. Johanna Dabernig-Heinz, MSc.
Wer als junge Biologin die Arthropodenfauna der Turracher Höhe kartiert, lernt in der Stille der Natur zu lesen – in Spuren, Mustern und verborgenen Ordnungssystem des Lebens. Arthropoden (also Gliederfüßer) sind der artenreichste Stamm im Tierreich, zu dem Insekten, Spinnentiere, Krebstiere und Tausendfüßer gehören. Dass Johanna Dabernig-Heinz diese Fähigkeit später auf Ebene des Genoms hob, ist konsequente Fortsetzung.
Aufgewachsen in Kärnten, erkor sie die Steiermark zur Wahlheimat – seit 11 Jahren ist sie Teil der Grazer Wissenschaftslandschaft. In Graz begann sie das Studium der Biologie.
Im Masterstudium in Ökologie und Evolutionsbiologie wechselte sie den Kontinent und widmete sich den genetischen Verwandtschaftsbeziehungen einer afrikanischen Buntbarschart. Der Blick auf ferne Ökosysteme schärfte das Handwerkszeug, das bald in unmittelbarer Nähe angewendet werden sollte: das Lesen biologischer Signaturen.
Im Doktoratsstudium wandte sie sich der genomischen Überwachung bakterieller Krankheitserreger zu. Am Grazer Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin erforschte sie, wie DNA-Sequenzierung eingesetzt werden kann, um Resistenzgene zu entschlüsseln und die genetische Verwandtschaft von Krankheitserregern zu bestimmen. Sie möchte die präzisen Methoden auch zugänglich zu machen – für kleinere Labore, die von aufwändiger Sequenziertechnologie ausgeschlossen waren.
Wer unsere Preisträgerin nur über die beeindruckende Publikationsliste kennt, kennt sie nur halb. Sie pflegt ehrenamtlich Wildtiere, sucht Balance auf Pferderücken und betätigt sich beim Kampfsport im Verein Heijoshin.
Von der Turracher Höhe bis ins Innere bakterieller Genome: Johanna Dabernig-Heinz hat gelernt, immer tiefer zu blicken und viele Codes der Natur zu entschlüsseln. Forschung kann ein großes Abenteuer sein – Der Josef-Krainer-Förderpreis soll sie dabei begleiten.
Dipl.-Ing. Dr. Charlotte Cui
„Panta rhei“ – alles fließt, lehrte einst Heraklit. Dass eine junge Wissenschaftlerin diesen Gedanken nicht nur in ihrer Maturaarbeit philosophisch durchdringen, sondern später im Inneren winziger Lötkugeln nachweisen würde – das hätte selbst Heraklit nicht erahnt.
Geboren in Graz erwarb sie am Akademischen Gymnasium klassische Bildung. So brillierte sie im Altgriechischen Übersetzungswettbewerb und beim Lateinischen Ovid-Wettbewerb. So bewies sie außergewöhnliche Sprachbegabung und die Fähigkeit, komplexe Denksysteme miteinander zu verknüpfen.
An der Montanuniversität Leoben absolvierte sie das Bachelorstudium der Materialwissenschaften, gewann aber auch schon praktische Erfahrungen in großen Industriebetrieben.
Das Masterstudium vertiefte ihren Fokus auf physikalische Metallurgie und Werkstoffprüfung. Ihre Masterarbeit über Ausscheidungsevolution in einer laserstrahlgeschmolzenen Legierung mittels Atomsondentomographie – ein Verfahren, das Materialstrukturen auf atomarer Ebene sichtbar macht – zeichnete sie als Spitzenforscherin aus.
Den vielleicht bemerkenswertesten Schritt wagte sie mit ihrer Dissertation, die sie an der Montanuniversität und dem Materials Center Leoben abschloss. Ihr Thema: die maschinenlerngestützte, multiskalige Analyse von Mikrostruktur-Eigenschafts-Korrelationen in SAC305-Lötkugeln. In jenen winzigen Kugelchen, die Mikroprozessoren mit der Welt verbinden, spürt Charlotte Cui den Kräften nach, die Verbindungen zum Brechen bringen.
Nun forscht Charlotte Cui als Post-Doctoral Researcher im Christian-Doppler-Labor für nachhaltige Hartstoffbeschichtungen an der Montanuniversität Leoben – eine Berufung, die ihrer Leidenschaft für das Neue, das Verbindende, das Grenzüberschreitende Rechnung trägt. Dass sie nebenbei fließend Deutsch, Englisch und Chinesisch spricht, Berge erklimmt, paragleitet, Skitouren macht und Triathlons absolviert, überrascht bei dieser Vita kaum noch: Charlotte Cui ist jemand, der Grenzen nicht als Hindernisse, sondern als Einladungen begreift.
Josef-Krainer-Würdigungs-Preise
Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern, ist die edle Aufgabe der Pädagogik. Johann Heinrich Pestalozzi meinte „Erziehung ist Vorbild und Liebe, sonst nichts“. Hier wage ich zu widersprechen: Wir brauchen die Wissenschaft der Pädagogik, die es versteht, uns Theorien und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Pointiert meinte einst Paul Watzlawick: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel“. Es geht also darum, den Holzhammer zur Seite zu legen, Bildung und Erziehung ganzheitlich und mit allen feinen Differenziertheiten zu sehen.
Damit kommen wir zur Universitätsprofessorin Lisa Paleczek. Sie wurde in Graz geboren und absolvierte ihr Diplomstudium der Pädagogik mit der Fächerkombination Sonder- und Heilpädagogik an der Universität Graz. Internationale Aufenthalte und Liebe zu anderen Kulturen prägen ihr Leben. Sie verband bereits früh wissenschaftliche Ausbildung mit praktischer Arbeit, unter anderem im Pflegeelternverein Graz, wo sie in der Sozial- und Lernbetreuung half.
Sie lebte lange in Portugal. An der Universität von Lissabon absolvierte sie ein Masterstudium der Psychologie und engagierte sich in einem gemeindepsychologischen Programm der Santa Casa da Misericórdia de Lisboa.
Wieder in Graz wurde sie Universitätsassistentin und absolvierte das Doktoratsstudium mit Schwerpunkt Inclusive Education und Pädagogische Psychologie.
Seit 2019 ist sie am Institut für Bildungsforschung und Pädagog*innenbildung der Universität Graz tätig. 2025 erhielt sie die venia legendi für Bildungsforschung. Sie übernahm eine Lehrstuhlvertretung in Berlin und war Gastprofessorin an der Universität Wien. Seit 1. März 2026 ist sie nun Universitätsprofessorin für Inklusive Pädagogik in Graz und die stellvertretende Leiterin des Zentrums für Empirische Inklusionsforschung.
Privat setzt sie ihre pädagogischen Grundsätze auch als Mutter zweier Kinder um. Es gibt aber auch einen über 15 Jahre alten Hund aus einem portugiesischen Tierheim. Ausgleich findet sie im sozialen Austausch, im Yoga sowie in der Natur.
Inklusive Pädagogik betont das Prinzip der Wertschätzung in Bildung und Erziehung, erkennt die Normalität von Unterschiedlichkeiten und trägt damit zu einer menschlicheren Gesellschaft bei. Unsere Preisträgerin leistet Großartiges, und das ist schon einen Josef-Krainer-Würdigungsreis wert.
Ökologische und soziale Nachhaltigkeit sind zentrale Begriffe für den Weiterbestand unseres klimakranken Planeten. Damit kommen wir zu Dr. Georg Jäger. Unser Preisträger ist assoziierter Professor für Computerbasierte Systemwissenschaften am Institut für Umweltsystemwissenschaften der Universität Graz. Er beschäftigt sich mit der Analyse komplexer dynamischer Systeme und nutzt dazu computergestützte Methoden wie Modellierung, Netzwerkanalysen und agentenbasierte Simulationen. Er ist auch Vorsitzender der Curricula-Kommission Umweltsystemwissenschaften.
Seine Laufbahn ist eng mit der Universität Graz verknüpft. Nach dem Bachelor- und Masterstudium promovierte er in Physik. Dann war er als Postdoc am Department für Umweltsystemwissenschaften tätig. In der Folge war er Assistant Professor für Computational Systems Sciences, bevor er die jetzige Professur übernahm. 2024 habilitierte er im Fach Systemwissenschaften. Forschungsaufenthalte führten ihn nach Osnabrück und Würzburg.
Georg Jäger publiziert unter anderem über agentenbasierte Modelle, neuronale Netzwerke und deren Kombination zu umfassenden Modellierungsansätzen. Seine Arbeiten finden Anwendung in urbaner Verkehrsmodellierung, Emissionsanalysen, Klimadiskursen oder der Untersuchung kooperativen Verhaltens in sozialen Systemen. Projekte wie „Generative AI in agent-based modelling“ oder die Leitung des Konsortiums „Strategic AI Roadmap for Mobility“ verbinden Methoden-Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz.
Georg Jäger ist Vater von zwei Kleinkindern, mit denen er viel Zeit verbringt. Es beschäftigt ihn die Entwicklung künstlicher Intelligenz und die Frage, wie technologische Fortschritte die Zukunft gestalten. Themen wie Arbeit, Wohlstandsverteilung und die langfristige Ausrichtung gesellschaftlicher Systeme gehören zu seinen Überlegungen.
Optimieren wir unser „System“ im Moment in die richtige Richtung, oder sind viele Ansichten schon veraltet und nicht mehr relevant oder zielführend?
Der Josef-Krainer Würdigungspreis soll zu völlig neuen Überlegungen ermutigen.
Die Elektromobilität ist ein Gebot der Zeit. Immer leistungsfähigere Batterien begleiten uns in eine gute Zukunft. Doch was passiert mit den nicht mehr funktionsfähigen Batterien, die wertvolle Stoffe enthalten? Diese wieder in den Kreislauf zurückzuführen ist eine herausfordernde Aufgabe. Ihr hat sich unsere nächste Preisträgerin gewidmet.
Wer eine Ausbildung zur Sprengbefugten absolviert hat und gleichzeitig begeisterte Krimi-Leserin ist, bringt eine besondere Nähe zu Spannung und Präzision mit.
Damit kommen wir zu Ass. Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Eva Gerold.
In Judenburg geboren, absolvierte sie dort die Mittelschule. Bereits da wurde das naturwissenschaftliche Interesse sichtbar. An der Montanuniversität Leoben absolvierte sie das Bachelor- und Masterstudium Industrielle Umweltschutz- und Verfahrenstechnik, mit Schwerpunkten metallurgische Verfahrenstechnik, Anlagenbau und Projektplanung.
Parallel sammelte sie praktische Erfahrungen bei Großbetrieben. Sie war auch studentische Mitarbeiterin an den Lehrstühlen für Verfahrenstechnik im industriellen Umweltschutz sowie für Nichteisenmetallurgie.
Nach dem Masterstudium wechselte sie zur Nichteisenmetallurgie der Montanuniversität. Hier promovierte sie über die Entwicklung eines hydrometallurgischen Recyclingkonzeptes für Lithium-Ionen-Batterien. Danach war sie Senior Scientist und leitete die Forschungsgruppe „Recycling von Lithium-Ionen-Batterien“.
Es folgte die Habilitation. Nun ist sie Assistenzprofessorin am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie sowie Leiterin des Christian Doppler Labors für Fortschrittliches Recycling von Lithium-Ionen-Batterien.
Sie engagiert sich auch in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften und Curricula-Kommissionen.
Sie wurde schon mit vielen Preisen bedacht. Ergänzend absolvierte sie viele Schulungen, darunter auch jene zur Sprengbefugten. Doch heute geht es friedlich zu. Es gibt keine brennenden Lunten, sondern nur den brennenden Wunsch, Sie mit dem Josef-Krainer-Würdigungspreis für Wissenschaft auszuzeichnen.
Biotechnologie, das klingt sehr modern. Dabei geht es um eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Nutzung von Enzymen, Zellen und ganzen Organismen beschäftigt. Doch schon im Altertum gab es praktizierte Biotechnik, beispielsweise zur Herstellung von Wein und Bier mit Hefen. Wenn also den Philosophen des Altertums etwas Großartiges einfiel, dann riefen sie nicht nur Heureka, „Ich habe es gefunden“ – sondern gönnten sich wahrscheinlich auch das eine oder andere Glas Wein.
Unsere Würdigungspreisträgerin Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Anita Emmerstorfer-Augustin ist im zukunftsträchtigen Bereich der Molekularen Biotechnologie tätig.
Ihr bot das Schicksal überraschende Umwege: Eigentlich wollte sie Physiotherapeutin werden. Als Jugendliche tanzte sie in einem Ballett-Ensemble und als sie sich verletzte, inspirierte sie eine Physiotherapeutin. Ihre Bewerbung zu dieser Ausbildung erhielt eine Absage, die sehr frustrierte. Aber dies war ein Glücksfall, denn so gelangte sie zur eigentlichen Berufung, das ist die Biotechnologie, die sie an der TU Graz studierte. Dann war sie als Postdoktorandin am Austrian Centre of Industrial Biotechnology und am Institut für Molekulare Biotechnologie der Technischen Universität Graz. Es gab Forschungsaufenthalte an der University of Novi Sad, der Syracuse University in den USA und der University of California, Berkeley, bevor sie zurückkehrte. Seit 2024 leitet sie den Bereich „Sustainable Production“ am Austrian Centre of Industrial Biotechnology.
2025 erhielt sie die Venia docendi für Molekulare Biotechnologie an der Technischen Universität Graz. Sie konzentriert sich auf molekulare Biotechnologie, Hefezellbiologie, Proteinsekretion, Zellengineering, Lipidstoffwechsel und Zellsignalwege. Sie verfasste zahlreiche Publikationen.
Die Freizeit verbringt unsere Preisträgerin mit ihrer Familie, mit den zwei Kindern Jakob und Emilia. Sie ist sportlich, liebt Bergsteigen, Schitouren und Tanzen.
Sie erhielt schon viele Auszeichnungen, heute dürfen wir den Josef-Krainer-Würdigungspreis für Wissenschaft hinzufügen.