Großer Josef Krainer-Preis

Anja Plaschg (Musik)

Josef Krainer-Heimatpreis

Emma De Ro (Volkskultur)

Mag.a Daniela Grabovac (Antidiskriminierung)

Omar Khir Alanam (Integration)

Murauer Bürgergarde (Volkskultur)

Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau (Wirtschaft)

Josef Krainer-Förderungspreis

Dr. Andreas Windischbacher (Materialwissenschaft)

Die Krainer-Preisträgerinnen und Preisträger mit Obmann Gerald Schöpfer

© Foto: Fischer

Ansprache des Obmannes oUniv.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer

Heimatpreise

Emma de Ro

Wenn Lebensfäden sich zu kunstvollem Gewebe verweben, entsteht nicht nur Spitze – es entsteht Geschichte. Bei Emma De Ro sind es die Fäden zwischen Graz und Brüssel, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Lehrauftrag und Lebensberufung, die ein außergewöhnliches Lebenswerk geknüpft haben.

In Graz-Straßgang geboren, durchlief Emma De Ro, geborene Dengg, eine klassische Ausbildung zur Arbeitslehrerin. Sie absolvierte die Lehrerbildungsanstalt in Eggenberg und schloss 1962 mit Auszeichnung ab – diese Leistung bracht ihr damals sogar einen Empfang bei Landeshauptmann Josef Krainer Senior ein.

Die ersten Berufsjahre führten sie als Arbeitslehrerin nach Radkersburg und dann ans Sacré-Coeur Graz. Doch 1966 wendete sich ihr Lebensblatt: Die Heirat mit dem belgischen Ingenieur Paul-Eugène De Ro brachte eine neue Staatsbürgerschaft und die Übersiedlung nach Brüssel, aber auch die Liebe zu einer Kunstform, die ihr Leben prägen sollte. In Belgien, der Heimat der europäischen Spitzenkunst, entdeckte sie die Klöppeltechnik. „Beim Studieren der Spitzentechnik erkannte ich, welch große Europäische Kunst die Klöppelspitze darstellt“, reflektierte sie später. „Ich machte sie zu meinem Lebensziel.“

1974 kehrte Emma De Ro mit ihrer Familie – zwei Kinder waren in Belgien geboren -in die Weststeiermark zurück und begann einen bemerkenswerten Doppelweg: Sie lehrte an der Weinbauschule Silberberg. Parallel dazu entwickelte sie sich zur Expertin für europäische Handarbeitskunst und wurde Referentin im Bildungshaus Schloss St. Martin bei Graz.

Was folgte, war eine beispiellose Wiederbelebung der Klöppelspitze in Österreich. Emma De Ro gab nicht nur Kurse in ganz Europa, sondern entwickelte mit der „Grazer Spitze“ eine eigene, innovative Technik. Sie organisierte internationale Kongresse, führte „Spitze und Kultur“-Reisen ein und etablierte die „Internationalen Tage der textilen Handarbeit“ im Freilichtmuseum Stübing. Ihre internationalen Festivals in Graz mit unzähligen teilnehmenden Nationen setzten Maßstäbe in der europäischen Handarbeitsszene.

Für ihre Verdienste erhielt Emma De Ro zahlreiche Auszeichnungen. Doch wichtiger als alle Ehrungen ist ihr kultureller Beitrag: Sie hat einer fast ausgestorbenen Kunstform neues Leben eingehaucht und dabei Brücken zwischen Generationen und Nationen geschlagen. Dass heute die Grazer Spitze international unter den vielen Spitzensorten hervorsticht, ist ihr Werk.

Hans Rosenthal hätte da wohl ausgerufen: Das ist spitze!

 

Daniela Grabovac

Brücken verbinden nicht nur Ufer – sie überwinden auch Gräben zwischen Menschen, und Kulturen. Wer das Leben von Daniela Grabovac betrachtet, erkennt eine Frau, die zeitlebens solche Brücken baut: zwischen Recht und Realität, zwischen Theorie und Praxis, zwischen lokaler Verwurzelung und globaler Verantwortung.

In Kärnten geboren wuchs Daniela Grabovac in einem mehrsprachigen Umfeld auf – Deutsch und Slowenisch als Muttersprachen prägten bereits früh ihre interkulturelle Sensibilität. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Wien, ergänzt durch Spezialisierungen in Cambridge, Salzburg und Brüssel, stand ihr der klassische Juristenweg offen. Sie wählte aber bereits im Studium einen anderen Pfad: Als Rechtsberaterin für ausländische Studierende bei der Österreichischen Hochschülerschaft in Graz entdeckte sie ihre wahre Berufung.

Was als studentisches Engagement begann, entwickelte sich zur Lebensaufgabe. Im Jahr 2000 gründete sie „Helping Hand Graz“ und baute die erste Anti-Rassismus Hotline in der Steiermark auf – ein Novum, das zwölf Jahre lang Pionierarbeit leistete. Parallel dazu wirkte sie in der Menschenrechtskommission des Innenministeriums und überwachte als Mitglied der Volksanwaltschaftskommission Institutionen auf Menschenrechtsverletzungen.

2012 übernahm Daniela Grabovac die Leitung der Antidiskriminierungsstelle Steiermark – die erste für alle in der Steiermark zuständige Einrichtung dieser Art.

Ihr Horizont weitete sich kontinuierlich: Von 2013 bis 2019 schulte sie als Trainerin Frontex-Mitarbeiter in Menschenrechten, wirkte als Kurzzeitexpertin in Kosovo, Serbien, Albanien und Mazedonien und berät seit 2022 die EU-Kommission bei Counter-Terrorism-Strategien für den Westbalkan. Gleichzeitig übernahm sie 2018 die Leitung der Extremismuspräventionsstelle Steiermark.

Als Universitätslektorin, als Verfasserin zahlreicher Publikationen und durch ihre kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit prägt sie nachhaltig das Bewusstsein für Menschenrechte. Ihre Mehrsprachigkeit – sie beherrscht neben Deutsch und Slowenisch auch Englisch, Französisch sowie Bosnisch, Kroatisch und Serbisch – macht sie zur idealen Vermittlerin in einer zunehmend polarisierten Welt, in der die Menschenrechte unter Druck geraten. Wer achtet noch in den aktuellen bewaffneten Konflikten auf den Schutz der Zivilbevölkerung. Als vor zwei Monaten Russland aus der Antifolterkonvention des Europarates austrat, gab es kaum Proteste. Warum auch – wer einen ungerechten Aggressions-Krieg führt, soll offenbar auch in Ruhe foltern dürfen.

In einer Zeit, in der Hate Speech zum „Turbo der Radikalisierung“ geworden ist, baut Daniela Grabovac unermüdlich an Brücken. Sie beweist täglich: Menschenrechte sind keine abstrakten Ideale, sondern gelebte Realität. Unterstützt vom Ehemann und motiviert von den beiden Töchtern, verkörpert sie die seltene Verbindung von fachlicher Exzellenz und menschlicher Wärme.

Sie erhielt schon zahlreiche Auszeichnungen, jüngst erhielt sie den Justitia Award 2025 als Würdigung einer Frau, die ihre „Berufung zum Beruf gemacht“ hat. Heute dürfen wir den Josef-Krainer- Heimatpreis hinzufügen.

 

Omar Khir Alanam

„Gspusis“, „Gspür“ und „Gschichten“ – wer hätte gedacht, dass ein junger Mann aus Damaskus einmal die österreichische Mundart so virtuos beherrschen würde, dass er damit Bestseller schreibt? Omar Khir Alanam hat nicht nur eine neue Sprache erlernt, sondern sie zu seiner erzählerischen Heimat gemacht.

Geboren in Damaskus, durchlief Omar Khir Alanam dort seine gesamte Schulausbildung, bevor er ein BWL-Studium an der Universität Damaskus aufnahm. Nach einem zusätzlichen College für Business an der Universität Latakia schien sein Weg in der syrischen Wirtschaft vorgezeichnet. Doch das Schicksal hatte andere Pläne: 2015 führte ihn die Flucht vor dem Bürgerkrieg nach Graz, wo er mit nichts als der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ankam.

Was folgte, war eine beispiellose Karriere. Binnen weniger Monate eignete sich Omar Khir Alanam an der Karl-Franzens-Universität Graz die deutsche Sprache an – und zwar so gründlich, dass er heute das Niveau C2 beherrscht. Parallel absolvierte er von 2016 bis 2018 eine Ausbildung in „Sozialbetreuung mit Schwerpunkt Kulturvermittlung“ bei der Caritas Graz. Diese Kombination sollte sich als goldrichtig erweisen: Sie legte das Fundament für seine einzigartige Fähigkeit, zwischen den Kulturen zu übersetzen – nicht nur sprachlich, sondern emotional und kulturell.

Bereits 2018, nur drei Jahre nach seiner Ankunft in Österreich, veröffentlichte Omar Khir Alanam sein erstes Buch „Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde“ – und landete prompt einen Bestseller. Es folgten „Sisi, Sex und Semmelknödel“ (2020), „Feig, faul und frauenfeindlich“ (2021) und zuletzt „Gspusis, Gspür und wilde Gschichten“ (2024). Alle vier Bücher eroberten die Bestsellerlisten in der Kategorie Sachbuch. Mit seinem unverwechselbaren Stil – einer Mischung aus scharfer Beobachtung, Selbstironie und liebevoller Kritik – hält er Österreich den Spiegel vor und lädt auch zum Schmunzeln ein.

Doch Omar Khir Alanam ist mehr als ein erfolgreicher Autor. Als Trainer und Kulturvermittler hat er bereits in über 400 Schulklassen österreichweit Workshops gegeben. Seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sein Gespür für die „Bauchebene“ der Kommunikation und seine Fähigkeit zum Problemlösen machen ihn zu einem gefragten Moderator. Er machte auch bei den Dancing Stars des ORF eine hervorragende Figur. Ich habe ihn im Vorjahr in einem der Wiener Lernhäuser des Roten Kreuzes kennengelernt, wo er ehrenamtlich Kinder als Lernpate unterstützte.

Privat ist Omar Khir Alanam in Graz verwurzelt, von wo aus er seine Mission als Brückenbauer zwischen den Kulturen fortsetzt. Seine Arbeit zeigt: Integration ist keine Einbahnstraße, sondern ein Prozess, der beide Seiten bereichert.

Omar Khir Alanam hat bewiesen, dass man Heimat nicht nur finden, sondern auch erschaffen kann – durch Geschichten, die verbinden, durch Humor, der Brücken baut, und durch den Mut, sowohl die neue als auch die alte Heimat mit liebevoll-kritischem Blick zu betrachten. Von Damaskus nach Graz, von „Danke“ zu „Gspusis“ – eine Erfolgsgeschichte, die Österreich reicher macht.

 

Murauer Bürgergarde

Wer heute durch die Murauer Altstadt wandelt, mag sich fragen: Was bewachen die Tore der Stadt, wenn längst keine Feinde mehr vor den Mauern stehen? Die Antwort findet sich im Friesachertor, wo seit über sechzig Jahren keine Stadtwache mehr residiert, sondern die Murauer Bürgergarde. Sie ist Hüter einer kostbaren lebendigen Tradition.

Ihre Wurzeln reichen bis 1700 zurück, als 90 wehrfähige Bürger innerhalb der Stadtmauern „in stetiger Bereitschaft“ standen. 1718 taucht erstmals der Name „Stadt guardi“ in den Chroniken auf – ein Schutztrupp, der die Heimatstadt bewachte, aber auch Feste und Prozessionen mit erhöhter Festlichkeit umrahmte. Diese Garde zog bis zum Semmering und Pyhrnpass, wann immer Schutz gebraucht wurde.

Die Wirren zweier Weltkriege ließen diese traditionsreiche Formation zunächst verstummen. Doch wie ein Phoenix aus der Asche erstand sie 1929 neu durch Dr. Friedrich Zelburg.

1939 wurde die Murauer Bürgergarde behördlich aufgelöst, aber 1951 fand sie durch Initiative ehemaliger Gardisten wieder zu neuer Blüte. Ein Mann prägte dabei die moderne Ära besonders: Mag. Ernst Gasteiger entdeckte 1968, dass Murau bereits im 18. Jahrhundert einen Samson besessen hatte – jenen biblischen Helden, der mit übermenschlicher Kraft und sechs Metern Höhe seither das Herz der Murauer Traditionen verkörpert.

Unter der langjährigen Führung von Ing. Rudolf Paschek, der 32 Jahre die Geschicke lenkte, entwickelte sich die Garde zu einem internationalen Botschafter steirischer Kultur. Moskau und Rom, Barcelona und Krumau – überall dort, wo europäische Traditionsverbände ihre Freundschaften pflegen, ist die dunkelgrüne Uniform mit dem roten Brusteinsatz ein geschätzter Anblick.

Dass Geschichte lebendig bleibt, beweist das 2010 errichtete Samsonquartier – ein architek-tonisches Kleinod, das den 70 Kilogramm schweren Riesen und seine Gefährten würdig beherbergt. Hier manifestiert sich, was die Garde seit über drei Jahrhunderten auszeichnet: die Fähigkeit, Altes zu bewahren und gleichzeitig behutsam in die Gegenwart zu führen.

Den Staffelstab dieser Tradition trägt inzwischen eine neue Generation: Den Josef-Krainer-Preis wird stellvertretend ein junger Mann entgegennehmen: Baumeister DI Christoph Stockreiter, der selbst in seinem Werdegang vom Murauer Zimmerer zum international tätigen Baumanager verkörpert, das lokale Tradition und moderne weltweite Perspektive kein Widerspruch sind 

So bewacht die Murauer Bürgergarde auch heute noch ihre Stadt – nicht mehr deren steinerne Tore, sondern das wertvolle Gut einer lebendigen, über Grenzen hinweg verbindenden Kultur.

Sie kennen alle das Sprichwort „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Dieses generationsübergreifende Weitergeben der flammenden Begeisterung für eine wunderbare Tradition zeichnen wir nun mit dem Josef-Krainer-Heimatpreis aus.

 

Die Verbindung von Tradition und Innovation entstammt dem johanneischen Geist und behört zur DNA bedeutender steirischer Persönlichkeiten.

Damit kommen wir zu Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau

Aus einem gefällten Baum kann man einen Stuhl zimmern – oder eine ganze Zukunftsvision. Franz Mayr-Melnhof-Saurau hat sich für Letzteres entschieden und aus dem nachhaltigen Rohstoff Holz ein international führendes Unternehmen geschaffen, das weit über die Grenzen der Steiermark hinausstrahlt. Denn hier steht einer, der aus Tradition Innovation macht und aus regionalem Schaffen internationale Strahlkraft entwickelt.

In Leoben geboren, wuchs Franz Mayr-Melnhof-Saurau in eine Unternehmerfamilie hinein, die seit Generationen mit dem Begriff „verantwortliches Wirtschaften“ verbunden ist. Doch statt sich auf dem Erreichten auszuruhen, machte er sich daran, das Familienunternehmen grundlegend zu transformieren und für das 21. Jahrhundert zu rüsten.

In den vergangenen 25 Jahren hat er die Mayr-Melnhof Holz Gruppe von einem traditionellen Familienbetrieb zu einem international führenden Holzindustrieunternehmen entwickelt. Durch strategische Übernahmen – von Paskov über Reuthe und Olsberg bis hin zu Bergkvist Siljan in Schweden – und eine 175-Millionen-Euro-Investition in die Brettsperrholzproduktion bewies er, dass nachhaltiges Wirtschaften und globales Wachstum keine Widersprüche sind. Gleichzeitig modernisierte er die heimischen Standorte und setzte konsequent auf erneuerbare Energien.

Doch sein unternehmerischer Weitblick beschränkt sich nicht auf die Holzindustrie. Mit dem Zukauf von Unternehmen wie ewe Küchen, Investitionen in Wasserkraftwerke und Nahwärmeanlagen sowie Beteiligungen an Start-ups in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Kreislaufwirtschaft zeigt unser Preisträger, wie Tradition und Innovation symbiotisch wirken können. Besonders bemerkenswert: Seine gemeinnützige Wohnungsgesellschaft entwickelte sich zum Vorzeigeunternehmen bei der Gesamtkostendeckung in der Steiermark.

Als Landesjägermeister der Steirischen Jägerschaft und künftiger Präsident der Jagd Österreich bewies Mayr-Melnhof-Saurau einmal mehr seine Fähigkeit, aus traditionellen Strukturen moderne Konzepte zu entwickeln. Die Naturwelten Steiermark in Mixnitz – ein wegweisendes Ausbildungs- und Informationszentrum – schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern vermitteln einer neuen Generation den respektvollen Umgang mit der Natur.

Privat findet der dreifache Familienvater seine Erfüllung im Kreis seiner Lieben und in der Stille des Waldes – jenen Orten, wo er Kraft für seine vielfältigen Aufgaben schöpft. Seine Vision: Werte wie Offenheit, Mut und Respekt an die nächste Generation weiterzugeben, damit diese mit Weitblick und Verantwortung Neues schaffen kann.

 

Josef-Krainer-Wissenschafts- Förder-Preis 2025

Die Wissenschaftspreise werden meist im März, rund um den Landesfeiertrag vergeben. Die objektive Auswahl trifft eine unabhängige Jury, die aus anerkannten internationalen Wissenschaftlern besteht. Da unser Preisträger im März zeitgleich vom Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde, dürfen wir ihn nun vor den Vorhang bitten.  

Dr. Andreas Windischbacher, BSc. MSc.

1994 in Graz geboren, durchlief unser Preisträger eine Bildungskarriere, die bereits früh von Exzellenz geprägt war. Nach der Matura mit Auszeichnung am BG/BRG Oeversee widmete er sich zunächst einem Jahr sozialer Verantwortung bei der Volkshilfe Steiermark.

Sein Werdegang gleicht einer methodischen Tiefenbohrung in die Geheimnisse der Materie. Von der Bachelorarbeit über Lanthan-Perowskit-Strukturen führte ihn der Weg über metallorganische Gerüstverbindungen bis zu komplexen organisch-anorganischen Grenzflächen. Dabei erweiterte sich nicht nur sein Wissen, sondern auch die methodische Virtuosität in der theoretischen Chemie.  Unser Preisträger widmete sich vor allem der Physikalischen und Theoretischen Chemie. „So kann man Experimente am Computer simulieren, ohne das Risiko, ein Labor abzufackeln“, erklärt er mit Humor.

Der akademische Höhepunkt manifestierte sich in der Promotion sub auspiciis Praesidentis rei publicae. Diese höchste universitäre Ehrung krönte nicht nur vier Jahre intensiver Forschungsarbeit, sondern würdigte eine Studienleistung, die bereits mit Auszeichnungen in Bachelor- und Masterstudium ihren Anfang genommen hatte.

Windischbachers Forschung bewegt sich an den spannendsten Schnittstellen der modernen Materialwissenschaft. Seine Ab-initio-Berechnungen von Grenzflächeneigenschaften öffnen neue Perspektiven für das Verständnis molekularer Prozesse. Als Post-Doc am Institut für Physik der Universität Graz erforscht er nun die ultraschnelle Dynamik von Exzitonen.

Worum geht es? Licht trifft auf Materie und das führt zu unterschiedlichsten Phänomenen; Menschen bekommen einen Sonnenbrand, und in Fotovoltaik-Anlagen entsteht Elektrizität. Was steckt dahinter? Wenn ein Lichtteilchen, ein Photon, in einem Molekül auf ein Elektron trifft, schleudert es dieses aus seiner Bahn. Experten wissen, das Elektron gelangt auf eine höhere Ebene und hinterlässt dabei ein Elektronenloch, mit dem es aber quantenmechanisch verbunden bleibt. Es entsteht ein Quasi-Teilchen, das „Exziton“ genannt wird.

Welche Eigenschaften besitzt das Exiton. Diese Klärung ist eine große Herausforderung. Es geht um rasante Veränderung und winzige Größen. Es geht hier um 0,000000000000001 Sekunden und eine Länge von 0,000000001 Metern.

Dass er neben höchster wissenschaftlicher Präzision auch eine künstlerische Ader pflegt – vom Zeichnen über das Gestalten von Reise-Fotobüchern bis hin zur Leidenschaft für Geschichte – vervollständigt das Bild eines Forschers, der die Welt in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen sucht, zur höheren Effizienz von Fotovoltaik-Anlagen beiträgt und dem Forschungsstandort Steiermark alle Ehre bringt.

 

Großer Josef-Krainer-Preis 2025 – Soap and Skin – Anja Plaschg 

Die in Katzendorf bei Gnas geborene Künstlerin Anja Plaschg wuchs in einer Welt auf, die ihr gleichzeitig Begrenzung und Inspiration bot. Schon früh zog es sie zur Musik, zur Transformation, zum Ausbrechenwollen aus der dörflichen Enge. Was als jugendliche Rebellion gegen das Bestehende begann, entwickelte sich zu einer der eigenständigsten künstlerischen Stimmen. 

Seit ihrem Debüt hat Anja Plaschg unter dem Namen Soap&Skin eine ganz eigene Ästhetik entwickelt. Mit NARROW (2012) etablierte sie sich als Meisterin der Verwandlung – nicht nur musikalisch, sondern auch visuell und performativ. Ihre Coverversionen sind keine bloßen Interpretationen, sie sind Metamorphosen: Aus Desireless‚ „Voyage, Voyage“ wird eine brunnentiefe Parabel, aus Lana Del Reys „Gods & Monsters“ ein Upside-down-Slow-Core-Banger. Sie nimmt die Songs „tentakulös“ in Besitz, wie der Kritiker treffend formulierte, bis aus fremdem Material ihre ureigene Wahrheit wird. 

Der Durchbruch kam nicht nur durch ihre Alben, sondern durch ihre transformative Bühnenpräsenz. 2018 führte sie mit Anna Calvi und Laeticia Sadier David Bowies BLACKSTAR in Paris, Amsterdam und Hamburg auf – ein Projekt, das ihre Fähigkeit bewies, auch in Kollaborationen ihre unverwechselbare Handschrift zu bewahren. Als das Donau-Festival sie 2022 einlud, sämtliche über die Jahre entstandenen Cover-Stücke aufzuführen, wurde deutlich: Hier war eine Werkschau entstanden, ohne dass sie je als solche geplant war. 

Mit FROM GAS TO SOLID (2018) markierte Plaschg einen Wendepunkt: Die frühen Furor und Agonie wichen zarteren Arrangements, ohne an Intensität zu verlieren. Ihr neuestes Werk TORSO – erstmals mit einem Ensemble in Wien eingespielt – zeigt eine Künstlerin, die ihre Arbeitsweise selbst transformiert hat. Wo sie einst allein im Schutzraum ihrer vier Wände aus Samples Musik zusammenbaute, öffnet sie sich nun der Kollaboration, ohne ihre künstlerische Integrität zu verlieren. 

International führte sie ihre Kunst weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raums hinaus. Im Burgtheater sang sie Cat Powers „Maybe Not“ bei einer Benefizmatinee für die Ukraine – ein Moment, in dem sich persönliche Überzeugung und künstlerischer Ausdruck zu gesellschaftlicher Verantwortung verdichteten. Auch ihre Rolle in Ulrich Seidls preisgekrönter Berlinale-Produktion „Des Teufels Bad“ bewies ihre Vielseitigkeit als Gesamtkünstlerin. 

Als Mutter einer Tochter hat Plaschg gelernt, die Urmännlichkeit mancher Songs – wie die von Tom Waits – „zum Gegenpol zu wandeln“. In ihrer Kunst verbinden sich die private Erfahrung und die universelle Botschaft zu einer Stimme, die sowohl vertraut als auch gesellschaftlich relevant ist. 

Sie ist international überaus anerkannt – erst letztes Jahr erklärte mir der österreichische  Botschafter in den Niederlanden – dass Anja Plaschg hier derzeit zu den bekanntesten und gefeiertsten österreichischen Künstlerinnen gehört. Das internationale Echo ist gigantisch. Aber auch die Steirer konnten sich heuer im Jänner im Orpheum von der Magie dieser großartigen Künstlerin überzeugen.

Mit dem Großen Josef-Krainer-Preis wollen wir nun zum Ausdruck bringen, dass Anja Plaschg nicht nur international eine großartige und anerkannte Künstlerin ist, sondern, dass sie auch in ihrer Heimat überaus geschätzt wird. Wir gratulieren zum verdienten Preis.